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Kirchenorgel in St. Agatha Niedersfeld


Orgel pfeift aus dem letzten Loch
"Die Tage sind gezählt"

Um unsere Kirchenorgel steht es wahrlich nicht gut. Nichts neues meinen Sie? Richtig. Schon mehrfach war zu lesen, dass die Kirchenorgel in St. Agatha nicht in einem zufriedenstellenden Zustand ist. Aber nun wird es ernst. Mitte Januar fanden sich die Kirchenvorstandsmitglieder, Vertreter des gemischten Chores und die Orgelspieler auf der Orgelbühne ein, um unter fachkundiger Erläuterung von Orgelbauer Strefan Freisen über den Zustand der Orgel aufgeklärt zu werden. Unsere Kirchenorgel ist in einigen Teilen schon sehr alt und insgesamt entsprechen die Materialien nicht unbedingt einer augezeichneten Qualität. Es mag zur großen Renovierung in den 70er Jahren gewesen sein, als die Orgel eine grundlegende Überarbeitung und Renovierung erfuhr. Danach wurde sie erst wieder zur letzten großen Renovierung im Jahr 2003 "angepackt". Sie wurde von der alten Orgelbühne gehieft und in ihre Einzelteile zerlegt. Einige Teile waren damals irreparabel und wurden nach Fertigstellung des Kircheninnenraums 2004 nicht mehr eingebaut. Das, was noch zu vertreten war, wurde an der jetzt bekannten Stelle wieder aufgebaut. Schon damals war es für die Verantwortlichen Kirchenvorstandsmitglieder eine Kompromisslösung. Sie hatte zum Inhalt, die Orgel in der jetztigen Form erstmal aufzubauen und die Folgejahre dazu zu nutzen, um über eine neue Lösung nachzudenken. "Sie wird es schon noch ein paar Jahre tun", war damals die Hoffnung aller Beteiligten. Rückblickend, immerhin feiern wir nun schon seit 6 Jahren unsere Gottesdienste in der schönen renovierten Kirche, hat die Orgel die letzten Jahre auch ihren Dienst getan. Aber unter welchen Umständen?

Anfang Dezember 2009, als in der Kirche eine adventliche Andacht gefeiert wurde, versagte die Orgel zum Teil ihren Dienst. Die Tasten klemmten, einige Orgelpfeifen gaben keinen Ton mehr von sich oder ließen sich einen schrillen, schrägen Ton entlocken. So mussten einige Register lahmgelegt werden, um wenigstens mit den restlichen Orgelregistern halbwegs hörbare Musik darbieten zu können. Auch zum Chorkonzert Mitte Januar 2010 konnte die Orgel bei weiterem nicht so ausgespielt werden, wie es einer Orgel von diesem Format eigentlich möglich sein müsste. Und auch hier bedurfte es der besonderen Unterstützung für den Orgelspieler, denn während des Orgelstücks mussten durch eine Assistentin einige Orgeltasten manuell wieder hochgezogen werden. Kaum zu glauben, aber wahr.

Zurück zum Orgeltermin, der übrigens einen Tag nach dem Chorkonzert stattfand. Die Ausgangslage war eigentlich nicht gut, denn die Zuhörer des Konzerts bemerkten wohl kaum eine Spielschwäche der Orgel, denn alles hörte sich zum Konzert sehr imposant an. Doch Stefan Freisen klärte die Anwesenden auf: "Der Übergangszeitraum von 2004 bis 2010 bringt einiges zum Vorschein", so seine Einleitung. Der Blasebalg, Kernstück der Orgel, wurde bereits einge Male repariert und droht an einigen Stellen aufzureißen. "Der hält vielleicht noch eine gute Zeit, aber dann müssen wir handeln", so Freisen. Die beiden Manuale (Orgelspieltasten) müssen überprüft und geschmiert werden, damit sie nicht hängen bleiben. Eine Arbeit, die überschaubar ist. "Sehr viele Orgelpfeifen müssten unbedingt gestimmt werden", macht Stefan Freisen deutlich. Er hieft drei Beispiele aus der Orgel und zeigt die unterschiedlichen Möglichkeiten auf, wie Holzpfeifen und Zinnpfeifen gestimmt werden können. Problem: Die Zinnpfeifen sind am oberen Teil aufgeplatzt. "Genau dort ist ein Stöpsel eingebaut, der für den richtigen Ton sorgt. Der Stöpsel hält aber nun nicht mehr, weil die Pfeifen aufgeplatzt sind", sagt Stefan. Alle defekten Pfeifen müssen also gelötet werden, damit die Stöpsel wieder Halt bekommen. Stefan erklärt: "Bei dem Zustand dieser Pfeifen ist die Neustimmung wirkungslos, weil die Stimmungsvorrichtung, also die Stöpsel, verrutschen und dadurch ein falscher Ton gespielt wird." Ein Blick auf den Orgelspieltisch offenbart, dass längst zahlreiche Bedienungsknöpfe mit einem Klebeband abgeklebt wurden. Grund ist, dass die hinter den Knöpfen versteckten Register entweder nicht mehr vorhanden, oder unbespielbar sind.

Ich stelle die Frage: "Wann ist denn unter Berücksichtigung des Zustands der Orgel damit zu rechnen, dass Feierabend für diese Orgel ist", gibt Stefan Freisen eine deutliche Antwort: "Feierabend war eigentlich schon gestern." Das macht einige Anwesnede stutzig.

Wie geht es nun weiter? Diese Frage stellen sich die Sitzungsteilnehner wenig später im Pfarrheim und beraten über Möglichkeiten, das Thema Orgel anzupacken. "Wir müssen nun dringend handeln!", das ist die einhellige Meinung aller Beteiligten und viele Vorschläge werden zunächst einmal ohne Anspruch auf Durchführbarkeit in den Raum gestellt.

Verfasst im Februar 2010 von Winfried Borgmann

 

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